Polsum I

Polsum I ist ein stillgelegtes Bergwerksgelände in der Nähe von Marl. Es umfasst rund 10 Hektar, die ich von der RAG gekauft habe.

Projektsteckbrief

Die wichtigsten Infos im Überblick.

Lage

Polsum bei Marl

Größe

ca. 10,5 ha

Historie

ehemaliges Bergwerk

Tiefe des Schachts

874m

Inbetriebnahme

1943

Stilllegung

2008

Übernahmejahr

2019

Über das Projekt

Das Gelände ist ökologisch unter anderem aus zwei Aspekten interessant:

 

1. Die Arten- und Biotoptypenvielfalt ist ausgesprochen begrenzt, da die Natur sich die Flächen nur langsam „zurückerobert“ und die bisherigen Aufbauten und Versiegelungen Biotopentwicklungen naturgemäß ausschlossen oder behinderten. Eine gezielte ökologische Aufwertung ist also gut möglich, wobei die Waldareale wegen der ungewöhnlichen Standortbedingungen einige Besonderheiten zeigen, die die Biologen begeistern. Hier entsteht ein neuer, post-fossiler Biotoptyp, der uns ein Bild gibt, wie sich Flächen nach einer industriellen Nutzung entwickeln.

 

2. Der Aushub aus dem Abteufen des Schachts wurde zerkleinert und auf dem Gelände verteilt, das sich dadurch um mehrere Meter anhob. Diese obere Bodenschicht besteht aus nährstoffarmem Gestein (ohne Humus) und kann solchen Pflanzen und Tieren eine Heimat bieten, die in den sonst meist überdüngten Offenlandflächen Deutschlands keinen Lebensraum mehr finden.

Polsum I eignet sich somit gut für die Entwicklung einer nährstoffarmen Offenlandschaft und die Ansiedlung solcher Arten, die auf den kargen Böden selten gewordenen Lebensraum finden. Die Waldränder und Übergänge sollten vielfältige Lebensformen beheimaten können.

Projektplanung

Bebauungen und versiegelte Flächen wie der Parkplatz im Westen sind durch die RAG rückgebaut und bis in eine Tiefe von 0,5m unter Geländeniveau ausgehoben.

 

Bereits dieser Rückbau geschieht nicht nach klassischem Schema, sondern erfolgt so ökologisch wie möglich und in enger Absprache zwischen RAG und mir. Angedacht ist, Keller und Fundamente in Teilen zu belassen, um den Rückbauaufwand zu reduzieren (der ja auch Ressourcen verbraucht) und eine Übererdung mit nährstoffreichen Substraten zu verlangsamen. Bereits mit Regenwasser vollgelaufene Gebäudefundamente wollen wir möglichst nicht vollständig verfüllen, sondern nur teilweise abbrechen und zu Feuchtbiotopen weiterentwickeln. Dass dies vielversprechend sein kann, zeigen Beobachtungen in zwei ehemaligen Transformatorenhäuschen: Hier hat sich Wasser gesammelt, und mehrere Amphibienarten haben sich tatsächlich zwischen Gebäuderesten und Müll angesiedelt. 

 

Die genauen Versickerungseigenschaften und Möglichkeiten von Teilflächen lassen sich aber erst während des Rückbaus genau einschätzen. Daher ist auch die Biotop-Planung noch in vollem Gange.

Langfristiges Vorgehen

Da dieses Vorhaben langfristig angelegt ist und kaum spezifische Erfahrungswerte für solche eigenwilligen Brachflächen vorhanden sind, plane ich mit meinem Biologenteam „organisch“. Das heißt, wir werden beobachten, wie die Natur auf Maßnahmen reagiert und sich entfaltet. So machen wir die Natur zum entscheidenden Architekten. Nur entlang der natürlichen Entwicklungstendenzen lässt sich ökologisch und nachhaltig vorgehen – gerade in Zeiten des Klimawandels, der Unvorhersehbarkeiten mit sich bringt.

 

Aus demselben Grund lassen wir die Waldanteile zunächst möglichst unberührt. Abhängig davon, wie sich diese ganz eigenen, durch die industrielle Nutzung geprägten Frühwaldformen über die Jahre hinweg entwickeln, werden wir ggf. dazu passende Aufwertungsmaßnahmen umsetzen.

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